Antarktis - Reise
unseres Mitglieds Hartmut Gniechwitz

"Männer gesucht für gefährliche Reise bei schneidender Kälte,
langwährender Dunkelheit, ständiger Gefahr und kleinem Gehalt.
Rückkehr zweifelhaft. Bei Erfolg Ruhm und Ehre ..."
Mit dieser Anzeige in einer Londoner Zeitung suchte anfangs des letzten Jahrhunderts der bekannte englische Antarktisforscher Sir Ernest Shackleton Mitfahrer für seine Antarktis-Expedition. So dramatisch ging es bei unserer Expeditions-Kreuzfahrt in die Antarktis zwar nicht zu, aber aufregend war es allemal.
Reisen in die Antarktis sind nur in den antarktischen Sommermonaten von etwa November bis Februar möglich. Unseren lang gehegten Traum von einer Reise ins ewige Eis erfüllten wir - d.h. meine Frau Margot und ich - uns von Mitte Dezember 2004 bis Anfang Januar 2005. Nach einem Flug von Frankfurt nach Buenos Aires (14 Stunden) und am nächsten Tag von Buenos Aires nach Ushuaia (ca. 4 Sunden) gingen wir an Bord der MS BREMEN die nun für knapp 3 Wochen unser zu Hause sein sollte. Ushuaia auf Feuerland/Argentinien ist die südlichste Stadt der Welt und von hier starten meist die Antarktis-Expeditions-Kreuzfahrten. Unsere Fahrtroute führte von Ushuaia zu den Falkland Inseln, nach Südgeorgien, zu den Süd-Orkney Inseln und dann zum antarktischen Festland, sowie den vorgelagerten Inseln und zuletzt über die Drake Passage wieder zurück nach Ushuaia, wobei wir ca. 3351 Seemeilen (6206 km) zurücklegten.
Die MS BREMEN von Hapag-Lloyd erwies sich als sehr gute Wahl. Sie hat nicht nur die höchste Eisklasse für Passagierschiffe, was auch Fahrten durch Treibeis ermöglicht, sondern strebt auch höchsten Standard beim Umwelt- und Naturschutz an. Die 6 Lektoren an Bord brachten uns nicht nur die Schutzbestimmungen des Antarktisvertrages nahe, sondern bemühten sich auch, den etwa 140 Passagieren mit interessanten Vorträgen, Diaschauen und Filmvorführungen ihr Wissen über Klima, Gletscherkunde, Eisberge und Nautik, sowie über die so reichhaltige Tierwelt der Antarktis zu vermitteln. Die Crew der MS BREMEN unter ihrem Kapitän Mark Behrend ist routiniert, erfahren und umsichtig, war jeder Zeit für uns ansprechbar und tat alles, um unsere Fahrt zu einer Reise der Superlative werden zu lassen. Um den klimatischen Gegebenheiten gerecht zu werden, wurden wir an Bord leihweise mit wind- und wasserdichten Parkas, sowie mit Gummistiefeln ausgerüstet. Wasserdichte Überhosen hatten wir selbst mitgenommen. Diese Ausrüstung war nötig, um mit den Zodiacs an Land zu kommen. Zodiacs sind robuste, motorisierte Gummiboote für etwa 8-10 Leute, ohne die eine solche Expeditions-Kreuzfahrt gar nicht möglich wäre. Die Anlandungen waren meist "nasse Anlandungen", d.h. die letzten Meter zum Strand mussten wir fast regelmäßig durchs Wasser waten. Wir konnten nur einmal wegen zu hohem Wellengang an einer geplanten Stelle auf Elephant Island nicht anlanden, unternahmen ansonsten aber insgesamt 19 Anlandungen und 3 Zodiacrundfahrten. Die Durchschnittstemperaturen lagen tagsüber zwischen +5° und -5° und die Wassertemperatur lag teilweise sogar bei unter -1,5°.
Was uns bei diesen Anlandungen begegnete, übertraf unsere ohnehin schon hochgesteckten Erwartungen. Wir standen vor Kolonien von über 100.000 Königspinguinen, trafen auf hunderte von See-Elefanten, hunderte Pelzrobben, Seebären, Weddellrobben, Krabbenfresserrobben etc., begegneten weiteren Pinguinarten wie Eselspinguine, Zügelpinguine, Adeliepinguine, Magellanpinguine, Goldschopfpinguine und konnten die unterschiedlichsten Seevögel wie Albatrosse, Skuas, Kormorane, Sturmvögel etc. beobachten. Es war manchmal schwierig den zum Schutz der Tiere erwünschten Abstand von je nach Tierart 5-10 m einzuhalten, da Pinguine und junge Robben sehr neugierig sind und sie rückten uns oft sehr nahe auf den Pelz, um diese seltsamen Wesen in ihren roten Parkas einer genaueren Untersuchung zu unterziehen. Wir besuchten auch eine argentinische Forschungsstation und einige verlassene und stillgelegte Walfängersiedlungen, wo riesige Mengen von Schrott vor sich hinrosten, was sie fast schon wieder fotogen wirken läßt.
Natürlich wurde strikt darauf geachtet, nichts an Land zurückzulassen - Rauchen war selbstverständlich an Land auch verboten - und auch nichts aus der Natur und der Umwelt mitzunehmen außer unseren Eindrücken und den Fotoaufnahmen.
Neben der vielfältigen Tierwelt bot auch die Landschaft selbst immer wieder Höhepunkte. Fahrten durch das Treibeis, vorbei an schneebedeckten Bergen und riesigen Gletschern, die ins Meer gleiten, Zodiac-Fahrten durch Buchten und Kalderas mit kleineren und größeren Eisschollen, auf denen Pinguine oder Robben als blinde Passagiere mitreisten oder die großen Eisberge im offenen Meer, zum Teil mehrere hundert Meter lang und 50 bis 60 m hoch, die unserem Schiff entgegen trieben, die Begegnung mit Buckelwalen und einer Schwertwal-Familie - all das verbindet sich zu einem unvergesslichen Erlebnis.
Die Fotografen, die diesen kurzen Abriss lesen, warten natürlich nun auf entsprechende Angaben zur Ausrüstung. Als Kameras hatten wir je eine Nikon F4, 801s und FE 2 mit, verschiedene Zoom-Objektive, wie 17-35mm, 28-85mm, 35-70mm, 80-200mm sowie einen 2-fach-Konverter für das Telezoom. UV-Filter als Linsenschutz, Blitzlicht, Plastikbeutel als Regenschutz für die Kameras, ausreichend Batterien und ein Manfrotto-Stativ vervollständigten die Ausrüstung. Je nach Fotogewohnheit sollte genügend Filmmaterial mitgenommen werden, da vor Ort so gut wie nichts nachgekauft werden kann. Gerade bei schwierigen Lichtsituationen, im Schnee und Eis, sowie bei Eisbergen etc. mache ich gern die eine oder andere Belichtungsreihe, um die optimale Belichtung auszuloten. Wir rechneten mit 3-5 Filmen pro Anlandung und lagen damit richtig. Unser Film war der Kodak Elite chrome 100 ASA. Um die Ausrüstung sicher in den Zodiacs und an Land zu transportieren, benutzte ich den Fotorucksack Lowepro Mini Trekker Classic, dazu wenn nötig eine Schutzhülle gegen Spritzwasser Marke Black Bear.
Weitere "Mitbringsel" von dieser Expeditions-Kreuzfahrt können Sie auf folgenden Seiten sehen.
Bilder von der
"Welt der Antarktis"
Kleine Überblendschau
"Faszination Eisberge"
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